Reisebericht
Aus dem Tagebuch von Christian Burrer
Oktober 2002: Ein Team von Global Aid Network
reist nach Kabul
Aus meiner Schulzeit wusste ich über Afghanistan folgende
Dinge: Erstens ist dort schon seit vielen Jahren Krieg und zweitens werden
dort Drogen angebaut und ins Ausland verkauft. Sonst wusste ich nichts.
Das sollte sich nun schlagartig ändern. Da wir vorhatten, Hilfsgüter ins
Land zu bringen, wollten wir nach Afghanistan reisen und uns die Situation
vor Ort selbst ansehen. Wir Westeuropäer hatten dieses Land, das in den
70er Jahren einen regen Westtourismus hatte, einfach vergessen: Afghanistan
hat eine eine Einwohnerzahl von knapp 25 Millionen. Die acht Shelter Now-Mitarbeiter,
die letztes Jahr von den Taliban für fünf Monate in Kabul gefangengehalten
wurden und der 11. September sorgten dafür, dass Afghanistan plötzlich
wieder in allen Medien war, monatelang. Nachdem im Land eine neue Regierung
eingesetzt wurde, sollte humanitäre Hilfe für Afghanistan das erste Projekt
werden, das wir gemeinsam mit unserem Partner, GAiN Kanada durchführen
wollten. Unsere Kanadischen Kollegen waren im Frühjahr schon einmal im
Land, um Flüchtlingen und Kriegsopfern Hilfe zu bringen. Nun reisten wir
gemeinsam: Klaus Dewald, Alan Drinkwalter und ich von GAiN, zwei
Freunde aus Kanada und weitere drei Kollegen von GAiN-Kanada. Unser Ziel
in Kabul: Die Hilfsorganisation International Foundation of Hope (IFH),
die die Verteilung der fünf Container mit Hilfsgütern gewährleisten sollte,
die wir bereits voraus gesandt hatten. Die Ankunft in Kabul
Bereits an der Landebahn des Kabuler Flughafens sind die
Zeichen des Krieges allgegenwärtig. Die zerstörten Flugzeugwracks sind
kaum zu zählen. Da liegen Trümmer der afghanischen Airline "Ariana", die
uns ins Land brachte, neben kleinen Propeller-Maschinen der Armee und
großen russischen Bombern. Stolz im Wind wehend, proklamiert die afghanische
Fahne auf dem renovierten Hauptgebäude die neu gewonnene Freiheit. Daneben
ein großes Portrait des Führers der Nord-Allianz. Vor dem Flughafengebäude
sehen wir die ersten zerstörten Häuser. Manche von ihnen sind mit zerfetzten
Tüchern verhangen. In ihnen leben Flüchtlings-Familien zwischen heruntergebrochenen
Betondecken und großen Löchern in den Wänden, die von Granateinschlägen
herrühren.
Der Preis für die Freiheit
Die Männer, die uns am Ausgang des Flughafens begegnen,
haben die typischen langen Bärte, nur sehr wenige Frauen tragen keine
"Burka", ein meist blauer Überhang, der sie komplett bedeckt und ihnen
nur erlaubt, durch ein Stoffgitter im Gesichtsbereich dahinter hervor
zu sehen. Die Fahrt durch die Stadt erinnert mich an indische Verhältnisse:
Im Straßenverkehr gilt das Recht des Stärkeren, wer lauter hupt darf fahren.
Es riecht nach Abgasen, faulendem Müll, Rauch und menschlichen Exkrementen.
Vor kleinen Baracken am Straßenrand reparieren Jungs Fahrräder, ein gebückt
gehender alter Mann hat zwei lebende Hühner an jeder Hand, die mit zusammengebundenen
Füßen mit dem Kopf nach unten hängen. Hier scheint jeder dem anderen beweisen
zu wollen, wie toll er fahren kann und wie schnell er ist. Unser Fahrer
hat ständig eine Hand auf der Hupe, während er andere geschickt ausbremst,
um selbst nicht anhalten zu müssen. Unser Gästehaus liegt im wohl teuersten
Teil der Stadt, schräg gegenüber von der südkoreanischen Botschaft und
unweit von der US-amerikanischen, die eher einer Festung gleicht, als
einer diplomatischen Vertretung. Als wir aus dem Auto steigen, kommt sofort
ein kleiner Junge angerannt, der uns gerne die Schuhe putzen will. Ich
vertröste ihn auf später, da ich noch kein Geld getauscht habe.
Freundliche Menschen
Als wir am Sonntag Nachmittag in der Kabuler Innenstadt
zu Fuß unterwegs sind, begegnen uns überall freundliche Menschen. Wo immer
wir stehen bleiben, werden wir sogleich von Kindern umringt, Männer drücken
uns die Hände, verbeugen sich, freuen sich. Ein Junge steht etwas schräg
im Hintergrund. Bei genauerem Hinsehen stelle ich fest, dass er nur noch
ein Bein hat. An einem Brunnen steht ein kleiner Junge und pumpt Wasser
für die andern. Kräftig presst er das frische Nass aus dem Rohr. An seiner
linken Seite baumelt ein Hemdärmel ohne Inhalt. Auch er hat einen Arm
verloren. Als ein Fahrzeug der deutschen "ISAF-Truppen" vorbeifährt, grüßen
wir unsere Landsleute freundlich. Doch diese verziehen keine Miene und
fahren weiter, als ob sie uns nicht gesehen hätten. Sie sind die einzigen
unfreundlichen Menschen, die wir während unseres Aufenthalts im Land treffen
sollten. Als jemand aus unserer Gruppe eine Wasserflasche wegwirft, stürzt
sich eine ganze Schar Kinder darauf. Müll sehe ich nirgends herumliegen;
noch wird wohl alles irgendwie verwertet. Als wir um eine Ecke biegen,
stoßen wir auf einen Haufen Schutt, der einmal ein Haus gewesen war. Spuren
des von der USA geführten High-Tech-Krieges gegen den Terrorismus. Sie
hatten genau dieses Haus mit einer Rakete getroffen, in dem sich Führer
der Al Kaida aufgehalten hatten, während rundherum alles unversehrt zu
sein scheint. Ein paar Meter weiter sehe ich durch ein Fenster drei junge
Männer an ihren mechanischen Nähmaschinen arbeiten. Die Nadeln an den
kleinen Maschinen bewegen sich unwahrscheinlich schnell, auch wenn diese
doch nur mit einem Handrad betrieben sind. Im Hintergrund sitzt ein älterer
Mann mit einem langen Bart. Er ist wohl der Meister dieser kleinen Schneiderei.
An einer Seite des Fensters hängen lange Kleider in wunderschönen Stoffen
und Farben, wie Brautkleider sehen sie aus. Wer sich diese jetzt wohl
leisten kann?
Die Medizinische Versorgung ist mangelhaft
Am Montag nach dem Frühstück besuchen wir das Maywand-Hospital,
eine Klinik mit 320 Betten, die erst wieder seit einem Jahr einigermaßen
funktioniert. Als die Taliban noch an der Regierung waren, wurden Frauen
hier grundsätzlich nicht behandelt. Nun kommen täglich etwa 300 Patienten
in die Ambulanz, viele von ihnen mit starken Mangelerscheinungen, doch
längst nicht alle können ordentlich versorgt werden. Ein Ärzte-Team aus
den USA hatte kürzlich jedem afghanischen Kollegen ein Stethoskop und
ein Blutdruckmessgerät ausgehändigt. Vorher gab es ganz einfach keine.
Die Röntgengeräte, die wir gezeigt bekommen, sind uralt und funktionieren
teilweise nicht mehr. Die Strahlenbelastung für das bedienende Personal
muss auf die Dauer tödlich sein. Sie brauchen unbedingt neue Geräte und
Fachleute dazu, die sie daran einarbeiten. Das Klinik-Labor gleicht einem
Museum, es fehlt einfach an allem. Die Operationssäle sind die meiste
Zeit ohne Strom, die einfachsten Instrumente fehlen, keine Lampen, Geräte
zur Beatmung oder Absaugung gibt es nicht. Als ich in den Patientenzimmern
in die verzweifelten Augen der Mütter blicke, die bei ihren Kleinen am
Bett sitzen, schnürt es mir die Kehle zu. Doch dann wird es mir warm ums
Herz, ich spüre die Liebe, die Gott für sie hat und beginne sie, zu segnen.
Als ich wieder aufblicke, sind meine Kollegen längst weitergegangen, Ärzte
schauen mich fragend, aber doch respektvoll an, während sie die abgemagerten
kleinen Geschöpfe abhören, die wimmernd, in Lappen eingehüllt, daliegen.
Schulen in erbärmlichem Zustand
Am Nachmittag besuchen wir eine Schule der Klassen eins
bis sechs. Hier werden Mädchen und Jungs gemeinsam unterrichtet, was für
afghanische Verhältnisse eine absolute Ausnahme ist. Bereits im Treppenhaus
ist es sauberer, als in dem Krankenhaus, das wir gerade besucht hatten.
Der erste Unterrichtsraum hat eine Fläche von etwa 15qm, in ihm werden
26 Kinder unterrichtet, die Jungen links, die Mädchen auf der rechten
Seite. Tische gibt es keine, die Armlehnen sind das einzige, worauf sie
sich beim Schreiben stützen können. Die Schule braucht dringend Arbeitsmaterialien
aller Art: Kreide, Tafeln usw. Dabei ist diese Schule in einem besonders
guten Zustand, wie wir später noch herausfinden werden. Unsere Partnerorganisation
IFH in Kabul unterstützt jeden Schüler mit einem monatlichen Betrag und
möchte dieses Schulsystem im ganzen Land errichten.
Man organisiert sich
Ein weiteres Projekt, das wir anschließend besuchen, ist
die Schneiderei. Hier werden in zwei Klassen 50 Frauen innerhalb von drei
Monaten an der Nähmaschine ausgebildet. Sie lernen, die traditionelle
Kleidung zu nähen, versehen diese mit feinen Stickereien und fertigen
außerdem Kissen, Vorhänge und Wandbilder. In der kleinen Schneiderwerkstatt
an der Straße arbeiten drei Männer an verschiedenen Kostümen. Sie dürfen
keinen Kontakt zu den Schülerinnen im Innern des Hauses haben. Im Innenhof
des Gebäudes wird gerade Mehl aus großen Säcken in kleine Portionen abgefüllt.
Wir wundern uns darüber, dass die Männer mit ihren Füßen in Bergen von
Mehl stehen, anstatt dieses direkt vom Sack in die Tüten zu füllen.
Falsch verstandene Hilfe:
Die Frauenklinik, die wir am Vormittag besuchen, liegt
auch mitten in der Stadt. Hier werden pro Tag 90 Kinder geboren. Es gibt
keinen Strom, kein fließendes Wasser, manche nennen die Zustände im Innern
einem Schlachthof gleichend. Da Frauen in diesem Land und besonders in
den letzten Jahren der Taliban-Regierung absolut keinen Wert besaßen,
wurden sie sogar bei Geburten furchtbar behandelt. Viele starben gemeinsam
mit ihren neugeborenen Töchtern, während die Söhne mit allen Mitteln gerettet
wurden. Solche Zustände und Formen lassen sich nicht von heute auf morgen
einfach ändern oder gar abstellen. Wir dürfen die Klinik nur von außen
sehen, da wir angeblich nun doch ein Papier von der Regierung für den
Besuch bräuchten. Es wäre ohnehin nur den Frauen im Team erlaubt worden,
mitzugehen. Wir Männer sollten uns einen defekten Generator ansehen, werden
aber auch nicht hineingelassen. Draußen, vor dem Tor, stehen mehrere große
Miele-Waschmaschinen, von irgendeiner europäischen Organisation gespendet.
Sie werden wohl noch lange da stehen, denn wenn es eines Tages hier Strom
geben sollte, so wird es doch nicht genug sein, um diese schweren Maschinen
zum Laufen zu bringen. Am Dienstag Nachmittag besuchen wir das NOOR EYE
INSTITUTE, eine Klinik, die Anfang der siebziger Jahre von einer deutschen
Firma gebaut wurde. Als ein Mahnmal für die Größe Gottes steht dieses
Gebäude inmitten eines Gebietes am Rand von Kabul, das regelrecht dem
Erdboden gleichgemacht wurde. Überall nur Ruinen. Diese Klinik, die beispielhaft
für das gesamte Land war, ist das einzige noch erhaltene Gebäude. Nun
soll die Klinik wieder aufgebaut und in Betrieb genommen werden. In den
letzten Jahren wurden Fenster, Türen und sämtliches Installationsmaterial,
sowie die gesamte Einrichtung entwendet und großer Schaden angerichtet.
Es sieht ganz so aus, als ob die Klinik in einigen Monaten in wenigstens
einem Teil des Gebäudes die Arbeit wieder aufnehmen wird.
Ein langer Tag
Auf dem Weg nach Nijrab, einer Region etwa 100 km nordöstlich
von Kabul und noch etwa 1200 m höher in den Bergen gelegen, sehen wir,
wie sehr dieses Land in den letzten 30 Jahren unter dem ständigen Krieg
gelitten hat. Manche Dörfer sind vollständig ausradiert. Wo einst 30.000
Menschen gelebt hatten, sind nur noch Trümmerhaufen übrig. Keine Wand
steht mehr, kein Dach ist mehr vorhanden. Wo einst Tausende Häuser standen,
weht nun der Wind die vielen Friedhöfe ringsum langsam mit Sand zu. Die
Hauptstraße grenzt an weite Minenfelder, die nur mit einfachen, rot-weiß
getünchten Steinen markiert sind. Als wir auf die schmalen Wege in die
Berge abbiegen, sehen wir teilweise gerade mal zehn Meter weit. Der von
den Fahrzeugen aufgewirbelte Staub ist unheimlich dicht. Wir fahren durch
Wasserlöcher, vorbei an unzähligen ausgebrannten Panzern und gesprengten
Stahlcontainern, in denen viele Menschen den Tod fanden. Die Menschen,
denen wir begegnen, sind sehr freundlich und grüßen uns bereits von weitem.
Ich staune, als nach einer Wegbiegung ein weites grünes Tal vor uns liegt,
in dem sich ein etwa 100 m breiter Fluss schlängelt. Früher sei der Fluss
nach der Schneeschmelze mehrere hundert Meter breit und etwa fünf Meter
tief gewesen, doch in den acht Jahren, als die Taliban an der Macht waren,
hat es nicht einmal geregnet. Die vier- bis fünftausend Meter hohen Berggipfel
sind ohne Schnee und schon viel guter Ackerboden ist in den letzten Jahren
vom Wind davongetragen worden.
Den Kindern wurde die Kindheit geraubt
In der Region Nijrab angekommen, besuchen wir eine Schule,
in der etwa 1.200 Kinder unterrichtet werden. Das Lehm-Gebäude hat kein
Dach mehr, die Teile, in denen die Mädchen unterrichtet wurden, sind vollständig
zerstört. Doch diese werden unter freiem Himmel weiter unterrichtet. Wir
sind überwältigt, mit welcher Hingabe die Lehrer ihre Schüler unterrichten.
Circa zwanzig Kinder pro Klasse sitzen in engen Räumen auf dem Boden und
lauschen begierig und diszipliniert den Worten ihrer Lehrer. Alle wollen
einmal zur Universität, wie wir später erfahren. Viele der Schüler sind
schon Anfang zwanzig und noch in der ersten Klasse. Sie lernten ihr Leben
lang nie etwas anderes, als nur zu kämpfen. In ihren Augen sehe ich eine
verlorene Kindheit, manche blicken wie die eines fünfzigjährigen, gebrochenen
Mannes.
Dr. Shafque, der Direktor des Maywand-Hospitals in Kabul,
wurde an dieser Schule unterrichtet. Stolz lässt er sich neben dem alten
Direktor vor dem zerstörten Gebäude fotografieren. Der Schule fehlt es
einfach an allem. Lehrbücher, Schulbücher, Schreibhefte, Stifte, aber
zuerst ein Dach überm Kopf, Fenster und Türen sind die wichtigsten Dinge,
die jetzt gebraucht werden. In der gesamten Region gibt es 36 dieser Schulen.
Nur in acht von ihnen werden auch Mädchen unterrichtet. Denn dies war
ja während der Taliban-Regierung verboten.
Aufbauhilfe muß dringend erfolgen
Direkt am Fuße eines hohen Berg-Reliefs finden wir die
Gebäude der Nijrab-Community-Clinic. Auch hier ist außer dem rohen Gebäude
nichts mehr übrig. Dr. Hassib, ein junger Chirurg, der am Ort arbeitet,
will sie wieder aufbauen. Doch er benötigt neben sämtlichen Materialien,
Möbeln und Geräten zuerst einmal motivierte Mitarbeiter und Helfer, die
mit ihm diese einstmals sehr gute Klinik renovieren. Mit Hilfe seines
Kollegen Dr. Hubiburrhman und Dr. Shafque aus Kabul, sowie Unterstützung
aus Kanada und Deutschland wird er es schaffen. Wir überlegen, dort ein
Projekt durchzuführen und ihnen beim Aufbau zu helfen. Viele der Handwerker
leben nicht mehr. Die, welche noch da sind, sind mit dem Wiederaufbau
ihrer eigenen Häuser beschäftigt und eine gesamte Generation von jungen
Männern hat in den letzten 30 Jahren nichts anderes gelernt, als zu schießen,
zu kämpfen und die Verletzten zu versorgen. Hier geht die Uhr etwas langsamer
als in Kabul, die Menschen müssen mehr zusammenhalten, sie sind mehr aufeinander
angewiesen. Mit uns am Tisch sitzen der Bürgermeister, der Polizeichef,
der Arzt und der Apotheker, sowie eine ganze Reihe wichtiger Männer aus
der Region. Die Klinik soll baldmöglichst wieder eine gesundheitliche
Versorgung gewährleisten. Sie ist für etwa 200.000 Menschen in der umliegenden
Gegend zuständig. Zur Zeit können die Ärzte kaum etwas tun, es gibt keine
Operationsinstrumente, keine Narkotika und nicht einmal die wichtigsten
Medikamente, die unsereins zu Hause in der Hausapotheke hätte.
Hilfsgüterverteilung
Heute fahren wir nach Istalif, einem sehr schwer beschädigten
Dorf, etwa 30 km außerhalb von Kabul. Große Teile der Wohngegenden sind
dort zerstört, viele Häuser sind abgebrannt oder existieren einfach nicht
mehr. Unterwegs überholen wir mehrere Lkws, die mit Decken und Lebensmittelsäcken
beladen sind. Nach einer sehr holprigen Fahrt auf einer schmalen Straße,
die den Berg hoch führt, treffen wir auf dem Dorfplatz unter großen alten
Bäumen eine Menge Leute. Jeweils eine Familie schickt dann eine Person
zu den Lkws, wo sie von uns Decken und Lebensmittel ausgehändigt bekommen.
In einem 30 kg-Sack sind etwa 15 kg Weißmehl und weitere 15 kg Bohnen,
Reis und Salz enthalten. Die Decken sollen im kommenden Winter wenigstens
einen kleinen Schutz gegen die Kälte bieten. Die Menschen hier sehen sehr
arm aus: Sie tragen zerschlissene Kleidung, kaum ordentliche Schuhe und
auch hier prügeln sich die Kinder um jeden leeren Karton, jede leere Wasserflasche.
Einst war Istalif bekannt für seine über 1.200 guten Töpfereien, doch
bis heute ist nur ein einziger Töpfer aus den Flüchtlingslagern im Iran
zurückgekehrt und hat seine Arbeit im Ort wieder aufgenommen. Die etwa
1,6km lange Straße in der Ortsmitte, an deren Seite die Geschäfte waren,
gleicht einem Pfad durch einen Friedhof. Etwa einen halben Meter hoch
sind die Mauerreste noch zu sehen. Viele Menschen schlafen einfach auf
der Straße. Eine Decke und ein kleines Bündel ist alles, was sie haben.
Sie versuchen, ihren Familien, die noch nicht aus den Flüchtlingslagern
zurückgekehrt sind, vor dem kommenden Winter noch ein Dach über dem Kopf
zu schaffen. Wird es ihnen gelingen?
Besondere Gäste
Georg und Marianne Taubmann, das deutsche Leiterehepaar
von Shelter Now International, die von August bis Dezember 2001 von den
Taliban gefangengehalten wurden, ermutigten uns, für Afghanistan zu beten.
Sie glauben, dass dieses Land, das zu den extremsten unter den islamischen
Ländern der Welt gehört, durch Gottes Eingreifen noch viel mehr verändert
werden kann. "Vor noch nicht einmal einem Jahr konnte man sich unmöglich
sicher und frei im Land bewegen, ohne um sein Leben fürchten zu müssen.
Heute lachen die Menschen wieder und feiern auf den Straßen. Das ist ein
Wunder Gottes." So erzählt Georg, der mit seinen sieben mitgefangenen
Kollegen Wunder über Wunder mit Gott erlebt hat. Eins ist ihm sehr wichtig:
"Wenn man die regelmäßige, enge Gemeinschaft mit Gott im Lobpreis und
Gebet nicht in Friedenszeiten lernt, wird man sie in der Not nicht mehr
erlernen können." Er braucht dringend noch weitere Langzeit-Mitarbeiter
in seinem Team, denn "die Ernte ist groß....!"