Das "vergessene Volk"
Die Armenier bezeichnen sich als das „vergessene Volk“, da sie von der Welt kaum wahrgenommen werden. Das Leben im heutigen Armenien ist alles andere als einfach. Über die Hälfte der Armenier leben unter der Armutsgrenze. Der Schock über das Erdbeben und dessen Nachwirkungen von 1988, der Krieg Ende der 80er Jahre um das Gebiet Berg Karabach, die Wirtschaftsblockaden und Isolierung Anfang der 90er Jahre sitzt tief. 1993 und 1994 waren die schwersten Jahre für die Armenier. Mangels Energieversorgung wurden die Bäume abgeholzt, um Brennstoff für die kalten Winter zu haben. Es gab kaum Energie. Schulen und öffentliche Gebäude wurden wegen mangelnder Energieversorgung geschlossen. Neues Leben kam durch die Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerkes Metsamor, das wegen des Erdbebens abgestellt worden war. Die Wirtschaftskrise hat nur wenig Geld für Bildung, Forschung und Gesundheitsmaßnahmen übrig gelassen.
Armut trotz Aufschwung
In den Geschäften, zumindest in der Hauptstadt, mangelt es heute an nichts. Doch die Waren sind für die meisten der Armenier unerschwinglich. Die Preise für Alltagswaren steigen schneller als die Einkommen. Die Renten sind viel zu niedrig und liegen bei ca. $ 11 Dollar/Monat. Mit der Öffnung der Grenzen nach Georgien, der Unterstützung der Armenier im Ausland und internationalem Handel mit dem Iran verbessert sich der Lebensstandard zusehends. In der Hauptstadt sprießen Cafes aus dem Boden und moderne Prachtbauten entstehen. Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft.
Verlorene Väter
Ein weit verbreitetes Problem sind vor allem die alleinerziehenden Mütter. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation versuchen die Männer im Ausland Arbeit zu finden. Viele von ihnen kehren nicht zurück, weil sie ein besseres Leben gefunden haben. Der Kontakt nach Hause zur Familie wird abgebrochen, die Familien sind vergessen.
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