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Reisebericht



Blumenkinder

"Es regnet in Strömen. Plötzlich sehen wir im Matsch am Straßenrand Kinder mit Blumensträußen stehen. Sie tragen zerschlissene Kleidung, und der Kleinste hat keine Schuhe an. Da wir sowieso Blumen kaufen wollen, halten wir an und erwerben einen Strauß. Die Kinder sind so glücklich darüber, dass sie in ein Gebäude am Straßenrand laufen und noch mehr Blumen holen, die sie uns dann schenken. Mein Mann Klaus steigt aus dem Fahrzeug und folgt den Kindern. Was er dort sieht, ist so unglaublich, dass er uns auffordert, auszusteigen und selbst zu sehen.

Blumen kann man nicht essen
Ich folge Klaus in die Hütte, die sich noch im Rohbau be­findet und aus nur einem Raum besteht. Von der Decke tropft Wasser. Als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, erkenne ich drei klapprige Betten. Später erfahre ich, dass in diesem Zimmer neun Personen leben: zwei Erwachsene mit sieben Kindern. Die  einzigen Einrichtungsgegenstände sind ein kleiner Elek­tro-Ofen, der auch als Kocher dient, und ein Schrank. Auf dem Boden verstreut liegen überall die Blumen, die die Kinder verkaufen. Wir erfahren, dass sie zwei Stun­den laufen müssen, um sie  zu pflücken. Dies ist die einzige Einnahmequelle der Familie, und sie verdienen damit drei Dollar im Monat. Der Vater ist blind und kann nicht arbeiten, und die Mutter kümmert sich um die klei­nen Geschwister. „Ich habe schon den armenischen Prä­sidenten um Hilfe gebeten, aber er hat nicht geantwor­tet,“ sagt sie und fängt an zu weinen. Dann erzählt sie uns von ihrer hoffnungslosen Situation.

Ich kann es nicht fassen
Fast schlimmer als die Armut ist ihr Status in der Ge­sellschaft: Die Nachbarn verach­ten sie, weil sie arm sind. Dass wir angehalten haben, ist für sie ein kleines Wunder. Immer wieder sagt sie: „Ich kann es nicht fassen, ich kann es nicht fassen“. Wir sind sehr berührt und Klaus verschenkt spontan seine Winterjacke an die älteste Tochter, die trotz der nied­rigen Außentemperatur nur einen dünnen Pulli trägt. Elke, die mit uns gereist ist, betet für die Familie. Jetzt weinen alle, außer dem Vater, der eher teil­nahmslos auf einem Bett sitzt. Wir fühlen uns im ersten Moment et­was hilflos und überlegen, was wir für diese Familie tun können. Wir holen unseren Reiseproviant und etwas Geld aus den Autos und überrei­chen es der Mutter. Das wird ih­nen für die nächste Zeit helfen. Die Mitarbeiter von New Life (Campus für Christus Armenien) wer­den sich dann in der Zukunft um diese Familie kümmern und sie mit Hilfsgütern versorgen. Vielleicht wird uns sogar möglich sein, das Haus fertig zu bauen."

Claudia Dewald reiste mit dem GAiN-Team im Frühjahr 2006 nach Armenien. Eine Woche später brachten die Mitarbeiter von "New Life Armenia"  der Familie eine ganze Busladung voll mit Möbeln, Kleidung, Lebensmitteln und Schulsachen.

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