SAHRAWIS / WESTSAHARA
Die traditionelle Kleidung der Saharawis ist zum Teil
verschwunden, da die Menschen seit den 70er Jahren auf Hilfslieferungen
angewiesen sind.
"Das Schicksal meines Volkes ist auch mein Schicksal!"
Dies, erklärt ein Radiologieassistent der im notdürftig
ausgestatteten Krankenhaus in Rabouni arbeitet. "Wie kann ich es mir gut
gehen lassen, wenn ich weiß, dass mein Volk leidet?" Der junge Mann verbrachte
14 Jahre seines Lebens im Ausland, wo er eine fundierte Schul- und Berufsausbildung
genoss. Statt im Anschluss an seine Lehre einen profitablen Job anzunehmen,
zog es ihn zurück zu seinem Volk, den Saharawis. Er wollte bei den Menschen
sein, mit denen er sich durch ein gemeinsames Schicksal zutiefst verbunden
fühlt. Sie alle sind seit 28 Jahren heimatlos, weil Marokko sie aus ihrem
Land vertrieben hat. Die Mitarbeiter von GAiN trafen diesen Mann bei ihrer Reise
in der algerischen Wüste, die zum Ziel hatte, die Lebensbedingungen der
Saharawis kennen zu lernen und Hilfslieferungen dorthin zu planen.
Die Wüste lebt nicht
1975 fielen marokkanische Besatzungstruppen in die Westsahara
ein und beanspruchten fortan das fisch- und rohstoffreiche Land für sich.
180.000 Saharawis suchten Zuflucht im Nachbarstaat Algerien. Mitten in
der Sahara errichteten sie vorübergehend aus Lehmhütten und Zelten vier
Flüchtlingslager und benannten sie nach den ihnen vertrauten westsaharischen
Städten El Aaiún, Smara, Dakhla und Ausserd. Die Saharawis werden zwar
von der algerischen Regierung geduldet, Hilfe bekommen sie von ihr jedoch
nicht. Abgeschoben in den isoliertesten und unwirtlichsten Teil der Sahara
fristen sie ohne Erwerbsmöglichkeiten ihr Dasein. Sie wollen ihre Heimat
wiederhaben. Sie wollen weg aus der Wüste, wo das Land ockerbraun ist,
wo nichts wächst, wo es nur hier und da ein paar Ziegen gibt, die sich
von Abfall ernähren. So weit das Auge reicht, sieht man nur Sand. Wasser
gewinnen die Saharawis aus dem Boden, doch es ist sehr salzhaltig. Trinkwasser
muss mit Tankfahrzeugen zu den Lagern transportiert werden. Allerdings
bekommt jede Person nur 1,5 Liter Wasser für den täglichen Bedarf (Waschen,
Trinken, Kochen). Das ist eindeutig zu wenig, denn gerade in der Wüste
muss man mehrere Liter Flüssigkeit täglich trinken. Bei erschreckend vielen
Flüchtlingen bilden sich auf Grund des hohen Mineralgehaltes und des Wassermangels
Nierensteine.
Unser Projekt: Wasser für die Wüste
Wir
möchten noch ein weiteres Tankfahrzeug zur Wasserbeförderung in die
algerische Wüste senden. Dieses soll, wie auch das im April gesendete,
bereits mit Speiseöl gefüllt sein, das dann zuerst an die
Lagerbevölkerung verteilt wird, bevor das Fahrzeug mehrmals täglich
70km durch die Sahara zur Wasserquelle und zurück bewältigen muss.
Tankfahrzeug und Inhalt kosten etwa 40.000 €.
Die Saharawis sind vollständig auf die Hilfe und Zuwendungen
der Vereinten Nationen, des Roten Kreuzes und anderer Hilfsorganisationen
angewiesen. Nach einem drastischen Spendenrückgang in den letzten zwei
Jahren sah sich die UN jedoch gezwungen, ihre Lebensmittelrationen zu
kürzen. Den Bewohnern in den vier Flüchtlingslagern steht eine humanitäre
Katastrophe bevor. Leidtragende sind vor allem Frauen und Kleinkinder.
Laut UN-Berichten sind knapp 50% der Ein- bis Fünfjährigen unterernährt
und leiden infolgedessen an akutem Eisenmangel, chronischer Bronchitis
und Durchfallerkrankungen. Bei 45% der Frauen im gebärfähigen Alter diagnostizierten
die Ärzte Blutarmut. Die drohende Hungersnot veranlasste ein fünfköpfiges
internationales Team von GAiN, nach Algerien zu fliegen und in einer einwöchigen
Hilfsaktion vier Container mit Baby- und Kindernahrung und Soja-Fertiggerichten
an die Flüchtlingsfamilien zu verteilen. Die Mitarbeiter machten sich
derweil auch ein Bild von der Situation in den vier Zeltlagern.
Die Saharawis leben in vier Lagern, die zum Teil aus
Zelten bestehen.
Gesundheit für alle
Ein gut funktionierendes Bildungs- und Gesundheitssystem
täuscht nicht darüber hinweg, dass die Saharawis großen Mangel leiden.
Obwohl das Klinikpersonal und die Lehrkräfte bestens ausgebildet sind,
fehlt es an Inventar, Medizin, Heizung, Strom und fließendem Wasser. Eine
ausreichende gesundheitliche Versorgung vor allem für Frauen, Kinder und
Alte ist somit nicht gewährleistet. Ihre Lage verschlimmert sich, wenn
im Sommer die Temperaturen tagsüber auf über 50°C klettern und nachts
auf unter null sacken. Deshalb brachte GAiN mehrere Lieferungen mit Lebensmitteln,
Medikamenten und Klinikinventar zu den saharawischen Flüchtlingen.
Hochwertige Babynahrung wird sehr dringend benötigt, denn
Lebensmittel wie Reis, Nudeln und Mais bekommen die Saharawis mehr oder
weniger genügend, aber die wichtigen Vitamine und Mineralstoffe fehlen.
So leidet nahezu die Hälfte der Bevölkerung an Mangelernährung. Unsere
Mitarbeiter konnten mehrere Flüchtlingslager besuchen, sich ein Bild von
der Lebensmittelverteilung, den Schulen, sowie den Krankenhäusern machen.
Hilfe aus dem Ausland gibt es, aber sie ist sehr lückenhaft, obwohl sie
in den Lagern bestens organisiert sind. Die Lebensmittelversorgung ist
zu einseitig, in den Krankenhäusern fehlt es einfach an allem und sogar
die tägliche Wasserversorgung steht auf wackeligen Beinen. Denn wenn einer
der Lkws, die das kühle Nass zu den Lagern transportieren einmal ausfällt,
gibt es an diesem Tag sofort einen Wassernotstand im Lager.
Wasser für Flüchtlinge in der Westsahara
Die 180.000 Saharawis, die in der algerischen Wüste leben,
müssen ihr Trinkwasser mit Tankfahrzeugen zu ihren Zeltstädte transportieren.
Da sie zuwenig Transportkapazität für das lebensnotwendige Nass haben,
möchten wir ihnen einen weiteren Tank-Lkw kaufen. Zur Zeit erhält eine
Person nur 1,5 Liter Wasser am Tag, was zum Trinken, Waschen und Kochen
reichen muss.
Das
einzig gute Trinkwasser, das die Saharawis erhalten, kommt von einer
Wasserquelle in 35 km Entfernung. Um dieses Wasser in die Lager zu
bringen, verwenden die Saharawis zehn ältere LKWs, die von der UN zur
Verfügung gestellt wurden. Diese fahren von morgens bis abends, so
lange es das Tageslicht erlaubt. Sie können aber nicht den Wasserbedarf
von 180.000 Lagerbewohnern decken - eineinhalb Liter pro Tag und Person
reichen in der Wüste nicht. Oft bleibt den Saharawis nichts anderes
übrig, als ihren Durst mit dem schlechten, teils verunreinigten Wasser
einer nahegelegenen Quelle, die zuviel Salz und Mineralien enthält, zu
stillen. Die Folge davon sind auffallend viele Nierenerkrankungen.
Die
Menschen brauchen sauberes Wasser: Deshalb ist der von GAiN im April 04
gelieferte Wasser-LkW zum Überleben in der Wüste sehr wichtig. Wenn genügend Spenden eingehen, wollen wir auch noch weitere
Wasser-LKWs zu den Saharwis bringen. 15.000 Liter Trinkwasser auf
einmal kann solch ein LKW in die Wüstenlager transportieren.
Weitere Infos über die Saharawis:
Unser Partner "JCI"
Infos
von "Terres des hommes"
Infos von "Medico"
(Westsahara)