Raphael Funck, Mitarbeiter bei GAiN berichtet:
"Tadschikistan – Wo liegt eigentlich Tadschikistan?" So fragten meine
Freunde, als ich von meiner geplanten Reise erzählte. Zugegeben, auch
ich wusste kaum etwas über dieses Land, außer dass es an Afghanistan,
China, Kirgisistan und Usbekistan angrenzt. Die Reise zusammen mit
Klaus Dewald, dem Leiter von GAiN, sollte meine erste Dienstreise für
GAiN werden.
Seit Jahren bat uns der Leiter einer Organisation darum, sein Land zu
besuchen und seine Arbeit durch humanitäre Hilfe zu unterstützen. Also
machten wir uns im Februar auf dem Weg. Als wir aus dem Flugzeug
ausstiegen, schaute sich Klaus um und meinte nur: „Hier sieht es aus
wie bei meiner ersten Reise 1990 in die damalige Sowjetunion. Auf dem
Rollfeld wurden wir von einem alten russischen Lkw abgeholt, wie ich
noch keinen gesehen habe. Dann bot sich uns ein trauriges Bild der
Hauptstadt Duschanbe: heruntergekommene Häuser mit Plastik oder Holz
anstelle von Glasfenstern, verlassene und verfallene Fabriken, völlig
veraltete und vielerorts funktionsunfähige Technik – die ganze Stadt,
das ganze Land befindet sich in einem unglaublich schlechten Zustand.
Ein hoffnungsloser Fall?
Zu Sowjetzeiten wurden Straßen, Hotels, Fabriken und Wohnblocks gebaut,
aber nach dem Zerfall der UdSSR und dem folgenden Bürgerkrieg verfiel
das Land. Heute sind die schlimmsten Tage des Krieges vorbei, und der
Hunger ist überwunden, doch 80% aller Einwohner leben unter der (von
den Vereinten Nationen festgelegten) Armutsgrenze. Während sich in
Afghanistan und anderen Ländern ausländische Organisationen, Investoren
und internationale Geber die Hände reichen, scheint Tadschikistan sich
selbst überlassen. Ein hoffnungsloser Fleck Erde, gebranntmarkt von
Drogenhandel, Korruption und dem Machtkampf der Regierung mit
konservativen islamischen Kräften. Doch sollte dies nicht der einzige
Eindruck bleiben.
Helfen ist oft der Anfang
Die Arbeit der kleinen Hilfsorganisation, die wir besuchten und deren
Namen wir hier nicht nennen können, ist ein echter Lichtblick in diesem
düsteren und armen Land. Wir verbrachten vier Tage mit dem Leiter, der
uns aus seinem Leben und dem seiner Mitarbeiter und der Arbeit in
Tadschikistan berichtete. Der Dienst geschieht durch vier völlig
unabhängige Organisationen, die alle offiziell registriert sind. Eine
davon ist als religiöse Organisation registriert. Wichtig ist immer,
dass sie bei Veranstaltungen und Hausbesuchen nicht mit leeren Händen
kommen. Daher bereiten die sozialen Dienste den Weg, um Beziehungen zu
den Menschen zu bauen. Auf diese Weise sind in vielen Dörfern bereits
Hauskreise, Bibelgruppen oder Gemeinden entstanden. Das alles
hört sich leichter und ungefährlicher an, als es ist. Alexey berichtete
auch davon, dass schon einige Mitarbeiter ihr Leben bei ihrem Dienst
lassen mussten. Viele waren immer wieder im Gefängnis, wurden
geschlagen und gefoltert. Auch auf ihn selber wurde bereits geschossen.
Auf unserer Heimreise war uns klar, dass wir unserer
Parnterorganisation gern und bald helfen würden. Im Land herrscht so
viel Hoffnungslosigkeit, und niemand scheint eine echte Perspektive zu
haben. Die Weltöffentlichkeit nimmt kaum Notiz von dem Land, in dem
ein schlimmer Bürgerkrieg herrschte. Wer hilft schon gern einer
Nation, die als Drogenumschlagplatz gilt, und wo der illegale
Waffenhandel blüht? Das kleine Mitarbeiterteam verbreitet unter
schwierigen Umständen so viel Licht und lindert so viel Not. Aber dabei
brauchen sie Unterstützung. Und die gibt ihnen GAiN: Mit Lieferungen
an Decken, Kleidung, Hygieneartikeln, Schulmaterialien und anderen
Hilfsgütern können sie Menschen helfen und ihnen Hoffnung geben."
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