Geschichte von Bosco aus Uganda

Plötzlich Waise

Boscos Mutter lag bewusstlos auf dem Boden, als Passanten sie und ihr Baby entdeckten. Die Polizei brachte beide ins Krankenhaus. Einen Tag später erwachte die Mutter kurz aus ihrer Bewusstlosigkeit und gab an, dass ihr kleiner Junge drei Monate alt wäre. Kurz darauf starb sie. Niemand wusste, woher sie kam, ob es Verwandte gibt und wo sie wohnen. Im Krankenhaus hofften die Mitarbeiter, dass jemand kommen würde, um den Leichnam und das Baby abzuholen, aber niemand kam. Also riefen die Mitarbeiter die Polizei an. Die Polizeibeamten wussten, wer in solchen Fällen helfen kann: die Leiter des Kinderdorfes „Arche Noah“. Bosco wurde dort im Jahr 2014 aufgenommen. Er durchlief den Kindergarten, besucht die Grundschule und ist zu einem fröhlichen, gesunden kleinen Mann herangewachsen. Bosco hat ein sicheres Zuhause, in dem er sich wohlfühlt und in dem er alles bekommt, was ein Kind braucht.   

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Geschichte von Ilja aus Israel

 

"Nie hätte ich gedacht, dass ich noch ein zweites Mal fliehen muss, dass noch einmal alles zerstört wird!"

Ende März 2022 kommen Ilja (85) und Elena (63) in Israel an. Was in ihr Handgepäck passte nahmen sie mit, alles andere ist zerstört. Sie sind aus der Ukraine geflohen, nachdem eine Bombe das Haus in Shitomir traf, in dem sie lebten. Freunde, Familie und vor allem ihre Heimat zurückzulassen, schmerzt die beiden sehr. Elena plagen die Sorgen um ihren Sohn, für Ilja ist das Erlebte eine Wiederholung der Geschichte.

Er war zwei Jahre alt, als der zweite Weltkrieg begann und er mit seiner Mutter fliehen musste. "Ich war zu klein, um zu wissen was passierte, aber ich konnte Angst empfinden." Und diese begleitete sie auf ihrer Flucht vor den Nazis. Die ständige Ungewissheit was mit ihnen geschieht, sollten sie doch entdeckt werden, quälte sie über Jahre. Der Krieg ist zu Ende, als Ilja acht Jahre alt ist. Sein Vater kehrt zurück zur Familie, aber von ihrem Zuhause ist nichts mehr übrig. "Meine Kindheit war vorbei, ohne dass ich sie je erlebt hatte."

Die Ukraine wird für Ilja trotzdem wieder zur Heimat. Er heiratet später und lebt mit seiner Familie in Shitomir. Auch dass seine erste Frau dort begraben ist, stärkt die Verbundenheit zu diesem Land. Der Vorwurf der russischen Regierung und der Grund für deren Angriff, dass die Ukraine "entnazifiziert" werden müsse, machen ihn fassungslos und treffen ihn tief.

"Aber ich bin der Hölle entronnen, dem Teufel entkommen und nun Engeln begegnet." Neben der liebevollen Hilfe ihrer Nachbarin Valentina, erfahren die beiden Hilfe durch das Patenschaftsprogramm von GAiN, in das sie nun aufgenommen sind. Nun hoffen die beiden darauf eine neue Heimat zu finden, in einem Land, in dem sie als Juden willkommen sind. Seit sieben Jahren sind die beiden verheiratet. Ihre Liebe gibt ihnen Halt und eine Perspektive. Zwischen die Tränen mischt sich auch immer wieder ein Lachen, wenn die beiden von sich erzählen.

"Mein Wunsch ist es, dass ich hier bleiben kann, bis mein Leben Erfüllung findet. Ich danke euch!"

Glücklicherweise musste Ilja kein drittes Mal vor dem aktuellen Krieg fliehen. Da Elena und er in der Mitte des Landes wohnen, brauchten sie sich nicht wie so viele andere Holocaustüberlebende vor den Raketen aus dem Gazastreifen und dem Libanon in Sicherheit bringen. Dennoch belastet der Krieg sie sehr. Wieder sind sie als Juden Hass und Angriffen ausgesetzt. Die Sicherheit, die sie in Israel zu finden hofften, wankt.

 

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Geschichte von Karen aus Armenien

Eine Familie - viele Krankheiten

Der 6-jährige Karen lebt mit seinen Eltern und zwei Brüdern in Armenien. Die Familienmitglieder leiden unter verschiedenen Krankheiten. Der Vater hat eine Wirbelsäulenverkrümmung, die Mutter litt nach einer Operation an einer Thrombose und braucht Medikamente. Ein Sohn hat Asthma. Sein Bruder bastelte an einer Batterie, die explodierte und deren Splitter ihn verletzten. Karen selber hat eine Blutarmut. Die Kosten der medizinischen Behandlungen können sie sich selber nicht leisten. Seit sie in das Patenschaftsprogramm aufgenommen wurden, haben sie wieder Hoffnung. GAiN hilft ihnen ganz individuell in vielen ihrer Nöte, z.B. beim Ausbau ihres kleinen Hauses (60 qm). Noch fehlt so vieles dafür, z.B. Betten für die Kinder, Küchenmöbel, eine Toilette und Waschbecken. Man duscht mit einer Schüssel. Wenn der Anschluss an die Wasserversorgung und die Kanalisation erfolgt, kann die Familie endlich anfangen, in Würde zu leben.   

 

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Geschichte von Virath aus Indien

Schrott, Schmutz, schlechte Luft

Virath fiel den Mitarbeitern unserer Partnerorganisation sofort auf. Er war für seine sechs Jahre viel zu klein und auffallend mager. Sein Vater sammelt Abfall, trennt brauchbare Gegenstände von Hand und verkauft sie dann an örtliche Händler. Mit dem kleinen Erlös für viele Kilos an Schrott kann sich die Familie nicht einmal das Nötigste leisten. Sie leben in einem kleinen Ziegelhaus, das zwar Tür- und Fensteröffnungen hat, aber keine Türen und Fenster. Um das Haus herum stapelt sich der Abfall, den der Vater sammelt. Welchen Gerüchen die Menschen ausgesetzt sind, kann man sich vorstellen. Trinkwasser müssen die Frauen aus einem öffentlichen Hahn holen, vor dem sie oft Schlange stehen.

Um solche Lebensumstände ertragen zu können, muss man körperlich und seelisch hartgesotten sein. Viele der völlig ungebildeten Männer können ihr Elend nur mit billigem Alkohol oder anderen Rauschmitteln vergessen. Auch Viraths Vater trinkt ein Gemisch aus Cannabis. Er spürt oft, dass er in der Gesellschaft als ein Ausgestoßener gilt. Der UEM (United Evangelical Mission), unserer Partnerorganisation in Indien, liegen genau diese Menschen am Herzen. Die Mitarbeiter besuchen sie, erzählen ihnen von einem liebenden Gott, helfen ihnen mit Nahrungsmitteln und medizinischen Basisartikeln. Auch in der Coronazeit verteilten Mitarbeiter der UEM Lebensmittelpakete in den Dörfern der ausgestoßenen Familien. Im Fokus der Arbeit liegt der Betrieb einer Kindertagesstätte.

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Geschichte von Esther aus Haiti

Ein schwerer Start

Eine psychisch kranke Mutter, vier Geschwister, ein Vater ohne Einkommen, der Selbstmord der Mutter ... Esthers Start ins Leben war bestimmt nicht einfach - aber nicht unüblich für Kinder in Haiti. Sie war acht Jahre alt, als sie ins Kinderheim kam. Nach dem Tod der Mutter war der Vater völlig überfordert mit der Erziehung der fünf Kinder. Die große Schwester zog zu einer Tante, der älteste Bruder blieb beim Vater und die beiden jüngeren Geschwister waren zu klein für das Heim. Esther hatte genau das richtige Alter, um im Heim aufgenommen zu werden. Bis zu ihrem achten Geburtstag hatte sie noch keine Schule von innen gesehen. Wie in vielen haitianischen Familien fehlte einfach das Geld für die Schulgebühren, die Schulkleidung und die Materialien. Esther ist ein sehr intelligentes Mädchen, das schnell aufholte, was ihr bisher fehlte. Esther scheint ihre schwierige Kindheit ohne erkennbare Beeinträchtigung überstanden zu haben. Sie ist zurückhaltend, spricht nicht viel, aber wenn sie tanzen und singen kann, geht ihr das Herz auf. Sie hat eine sehr schöne Stimme, liebt Musik, spielt Klavier und singt im Chor bei den Gottesdiensten. Ihr Lieblingsfach in der Schule des Kinderheims war immer Mathematik.

Im Jahr 2018 wurde Esther 18 Jahre alt und musste zusammen mit fünf anderen jungen Erwachsenen das Heim verlassen. So sieht es das haitianische Gesetz vor. Sie wohnt bei ihrem Vater in der Hauptstadt Port-au-Prince zusammen mit einer Tante. Die Mitarbeiter des Kinderheims halten Kontakt zu diesen "auswärtigen" Kindern und achten darauf, dass es ihnen weiterhin gut geht. Esther besuchte weiterhin die Schule und bereitet sich auf ihre Abschlussprüfung in der 13. Klasse vor. Danach möchte sie studieren, um eine qualifizierte Buchhalterin zu werden. Am liebsten würde sie dann im Kinderheim arbeiten und so zurückgeben, was sie über viele Jahre empfangen hat. Wenn sie ihr Examen schafft, ist sie die einzige ihrer Familie, die einen Schulabschluss erreicht hat.

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Geschichte von Raissa aus Israel

Am Ende ihres Lebenskonzertes

Raissa liebte immer die Musik. Sie war Pianistin, ja sogar Dirigentin. Trotz ihrer schlimmen Vergangenheit ist sie zufrieden. Im Alter von 15 Jahren musste Raissa zusammen mit ihrer Mutter aus der Ukraine flüchten. Wochenlang waren sie ohne Essen und mit nur wenigen Habseligkeiten zu Fuß unterwegs, bis sie Stalingrad erreichten. Neben der Kälte und dem Hunger erinnert sich Raissa vor allem an den ständigen Bombenhagel. Wenn sie und die anderen Kinder nach den Angriffen aus ihren Verstecken herauskamen, lagen oft tote Menschen und abgerissene Gliedmaßen auf dem Boden. Schließlich brachte die Deportation sie nach Sibirien. Trotz der extremen Lebensbedingungen schloss sie sich einem Orchester an, das in Militärkrankenhäusern für die verwundeten Soldaten spielte. Nach dem Krieg kehrte Raissa mit ihrer Mutter in ihre Heimatstadt Lugansk zurück. Ihre Wohnung war besetzt, sie mussten sich eine neue Bleibe suchen. All ihre Verwandten starben im Krieg.

Nach einer glücklichen Ehe- und Familienzeit in der Ukraine wanderte Raissa 1994 im Alter von 68 Jahren in Israel ein. Manche ihrer damaligen großen Hoffnungen haben sich zerschlagen. Raissa erhält eine kleine Sozialrente, die ihr nach Abzug der Miete und Umlagen nur die allernötigsten Einkäufe ermöglicht. Auch die medizinische Behandlung ihres Brustkrebses verschlang ihr Minibudget. Die 95-Jährige lebte allein in einem Wohnblock. Leider kann sie wegen der schlimmen Arthrose in den Fingern nicht mehr Klavierspielen. Aber sie ist dankbar. Denn sie bekommt Hilfe und Aufmerksamkeit. Viele andere Holocaustüberlebende sind einsam, auf sich allein gestellt und leben in unglaublicher Armut. Sie müssen ihr karges Budget streng einteilen, damit es für das Nötigste reicht. Für Raissa änderte sich ihr Leben noch einmal total, als ihr Sohn sie zu sich aufnehmen konnte. Raissa ist nicht mehr im Patenschaftsprogramm, aber sie blickt dankbar auf die fünf Jahre zurück. Sie sagt: "Ich wünsche mir, dass nun jemand, der Hilfe und Betreuung so nötig hat wie ich in den vergangenen Jahren, meinen Platz im Patenschaftsprogramm einnimmt."  

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