Griechenland – warum wir helfen

Auf der griechischen Insel Samos treffen zwei Welten aufeinander. Von einem Berggipfel aus sieht man auf der einen Seite die malerische Touristenstadt Vathi und auf der anderen das große Flüchtlingscamp. Es sind menschliche Tragödien, denen die Mitarbeitenden in den griechischen Lagern für Geflüchtete immer wieder begegnen. Die Helfer und Helferinnen erhalten Schulungen, damit sie mit den Schicksalen der Geflüchteten umgehen lernen. Aber es ist auch der ganz konkrete Mangel an materiellen Dingen, den die Menschen mitbringen. Da fehlt es an Kleidung oder an Hygieneartikeln. Immer wieder passiert es, dass Ankömmlinge ansteckende Krankheiten mitbringen. Wenn Kinder z.B. an Krätze leiden, muss alle Kleidung auf mindestens 60 Grad gewaschen werden. Das ist im Camp möglich. Die nötigen Medikamente erhalten sie auch.

Über unseren Partner Eurorelief können wir den Menschen sowohl mit menschlichem Trost als auch mit Hilfsgütern wieder etwas Hoffnung geben. Wir senden benötigte Artikel und unterstützen zahlreiche Freiwillige, die sich mit viel Liebe ganzheitlich um die Sorgen der Geflüchteten kümmern. Mit Ihrer Spende tragen Sie dazu bei, dass diese Hilfe nicht versiegen muss.

Rahas Geschichte

Stärke braucht Hoffnung

“Von einem Tag auf den anderen wurde ich zur Mama für meine Schwester, obwohl ich eigentlich selbst eine Mama bräuchte.”

Fortsetzung Geschichte

Schmerzhafte Trennung

Raha ist 21 Jahre alt, als sie mit ihren Eltern und ihrer 14-jährigen Schwester aus ihrer Heimat Afghanistan flieht. Sie studiert dort Agrarwissenschaften an einer Universität, die zum Teil von Deutschland finanziert wird, und lernt Englisch - bis 2021 die Taliban zurückkommen und die Familie die Flucht ergreift. In der Türkei steigen die Eltern in das eine, die Töchter in ein anderes Boot. Nur eines kommt bis nach Griechenland durch. Raha wird zugestanden, ihre kleine Schwester bei sich zu behalten. Die Vierzehnjährige wird nach der Ankunft depressiv und vermisst ihre Mutter schrecklich. Auch für Raha ist die Situation alles andere als einfach: "Von einem Tag auf den anderen war ich plötzlich Mama, obwohl ich gerade selbst eine Mama bräuchte."

Stärke braucht Hoffnung

Doch Raha gibt nicht auf. Sie nutzt ihre Englischkenntnisse, um im "Social Care Team" ehrenamtlich als Übersetzerin mitzuhelfen. Nebenbei lernt sie Deutsch und gibt die Hoffnung nicht auf, dass sie und ihre Schwester bald wieder mit ihren Eltern vereint sind. Manchmal, wenn ihr alles zu viel wird, kommt sie bei den Mitarbeiterinnen vorbei und weint sich aus. "Ohne Hoffnung stirbt die Stärke irgendwann. Ich bin froh, dass wir Frauen helfen können, die Hoffnung nicht zu verlieren," sagt unsere Mitarbeiterin Andrea Wegener.

Griechenland - Erlebt

Wo Ist Deine Familie?

Eine ehemalige Mitarbeiterin von Eurorelief in Griechenland berichtet:
An unserem Info-Point im Lager wollte ein Mann mit mir sprechen. Als ich nach draußen trat, fragte er „Erinnern Sie sich an mich?“ Ich geriet in Panik, weil ich so viele Menschen treffe, dass ich oft nicht weiß, welche Geschichte zu welchem Gesicht gehört. Aber eine Sekunde später drehte sich mir der Magen um, als ich mich erinnerte. Er hatte vor drei Monaten sein zwei Monate altes Kind auf dem Boot verloren. Jetzt sagte er mir mit glänzenden Augen: „Meine Frau kommt morgen an.”

Es war damals erst ein ganz normaler Abend. Ich begrüßte 33 Neuankömmlinge und registrierte sie alle einzeln. Eine der Fragen, die wir stellen müssen, lautet: „Haben Sie heute eine Familie bei sich?“. Als ich den Mann danach fragte, verstummte er. Eine Gruppe von Frauen zeigte mir ein Handybild mit einem toten Baby in der Mitte ihres leeren Bootes. Ich war wahrscheinlich die erste Person, die davon erfuhr. Ich musste noch mehr unangenehme Fragen stellen, wie es dazu gekommen war. Die anderen Frauen sprachen an dieser Stelle für ihn und erzählten, dass seine Frau an diesem Abend auf einem anderen Boot war und in die Türkei abgeschoben wurde. Mir war fast übel, aber ich musste die Registrierung fortsetzen. In den nächsten Monaten tauschten wir jedes Mal, wenn wir uns im Camp sahen, ein schmerzliches Lächeln aus. Als er mir dann erzählte, dass seine Frau bald ankommen würde, brach ich fast in Tränen aus. Aber ich sagte ihm, dass ich mich sehr für sie freue. Drei lange Monate der Trennung waren endlich vorbei.

Griechenland – das Projekt

Wie wir helfen

GAiN unterstützt in Griechenland seit 2015 Partner, die sich um Geflüchtete kümmern. Wir schicken Hilfsgüter, finanzielle Mittel und entsenden Kurz- oder Langzeitfreiwillige aus verschiedenen Ländern dorthin. Lesbos, Samos, Athen und Thessaloniki sind die Hauptzentren unseres Engagements.

GAiN hilft in Griechenland mit:

  • Hilfstransporten (Nahrungsmittel, Kleidung, Hygieneartikel, medizinischer Bedarf etc.)
  • Entsendung von Kurz- und Langzeithelfern
  • Unterstützung bei sprachlicher und beruflicher Bildung
  • Medizinischer Betreuung
  • Hilfe bei Anträgen und Übersetzungen
  • Freizeitbeschäftigungen für die Geflüchteten (Sport, Frauengruppen, Kreativangebote, Musik, Bibliothek, Kinderbeschäftigung...)