Der baltische Staat ist etwas kleiner als Bayern, hat aber nur 2 Millionen Einwohner. Seine Geschichte ist eine der Abhängigkeiten: mal herrschten die Deutschen, mal die Russen. Erst 1991 erklärte Lettland seine Unabhängigkeit. Inzwischen gehört es zur Eurozone, kämpft aber noch mit den Folgen der Wirtschaftskrise. Während Riga sich zur (teuren) Vorzeigestadt entwickelt, bleiben kinderreiche Familien und Rentner in den ländlichen Gebieten sehr arm. Der Mindestlohn liegt zurzeit bei 360 Euro im Monat, das Kindergeld beträgt 14 Euro monatlich. Und die Lebenshaltungskosten sind eher höher als in Deutschland.
Das lettische Sozialsystem ist mit dem deutschen nicht vergleichbar. So helfen sich viele gegenseitig, versuchen selbst Gemüse anzubauen oder holen sich Holz zum Heizen aus dem Wald. Doch wer in dieser Situation noch arbeitslos wird, droht schnell zu verwahrlosen. Viele junge, gut ausgebildete Letten verlassen aufgrund fehlender Perspektive ihr Land. Zum Teil unterstützen sie ihre Angehörigen aus dem Ausland, doch ihre Arbeitskraft fehlt.
Wenn Emil von diesem Erlebnis erzählt, dann überschlägt sich fast seine Stimme: "Einmal mussten wir alle raus aus unserem Haus. Mama und wir sieben Kinder. Da kamen Fremde, die haben unsere Sprache nicht gesprochen. Drei Frauen davon sind mit uns in den Zoo gefahren. Bei den Tieren waren wir noch nie. Wir haben auch Eis gegessen, das war sehr lecker. Als wir wieder heimkamen, waren die Zimmer ganz anders, so bunt. Ab da durfte ich mit meinen großen Brüdern in einem eigenen Zimmer schlafen. Und jeder von uns hat jetzt sein eigenes Bett."
So nahm Emil den Baueinsatz einer deutschen Gruppe wahr, die mit GAiN eine Lettland-Reise unternahm. Neben touristischen Aktivitäten stehen dabei auch Begegnungen mit Land und Leuten auf dem Programm. Und ein Baueinsatz wie bei Emils Familie. Zwei bis drei Tage lang wird dabei abgerissen und aufgebaut, wird tapeziert, gestrichen und möbliert. Mit dem Ergebnis, dass eine Familie ihre alte, heruntergekommene Wohnung nicht mehr wiedererkennt, neue Lebensqualität gewinnt und Hoffnung schöpft.
GAiN ist bereits seit 1990 in Lettland aktiv. Durch Partnerorganisationen mit ehrenamtlichen Helfern hat das Hilfswerk einen guten Zugang zu bedürftigen Familien, die langfristig betreut werden. Dabei ist das Ziel immer, sie zu fördern, damit sie sich selbst helfen können. Ähnliches gilt für eine Jugendwerkstatt für sozial benachteiligte Jugendliche, die dadurch Kompetenzen erwerben und in den Arbeitsprozess eingeführt werden. Aktionen wie ein Baueinsatz dienen in erster Linie als Anstoß und Ermutigung. Zurzeit schickt GAiN monatlich einen Hilfstransport ins Land. Ein Teil dieser Hilfsgüter wird in "Wohltätigkeitsläden" sehr günstig verkauft, damit Menschen mit geringem Einkommen in Würde ihren Bedarf decken können.
Sie bummeln durch die romantische Altstadt von Riga, genießen den traumhaft weißen Ostseestrand und fahren Kanu im Gauja-Nationalpark. Entspannung in der Sauna gehört genauso zum Programm wie der Besuch eines Freilichtmuseums, der einen guten Blick in die lettische Geschichte ermöglicht. Darüber hinaus begegnen Sie zusammen mit unseren Partnern vor Ort Menschen auf der Schattenseite des Lebens. Sie schauen hinter die Kulissen des Hilfswerkes GAiN und erleben humanitäre Hilfe hautnah – nicht zuletzt bei einem gemeinsamen Baueinsatz.
Wer in bewegten Bildern einen Eindruck davon erhalten will, wie in wenigen Tagen ein Haus für eine Familie entsteht, der kann sich den unteren Film ansehen.
Sie werden staunen, wie die Baueinsätze Lebenssituationen nachhaltig verändern. Klicken Sie dafür auf das Bild oder fahren Sie mit der Maus darüber.